Politik, Talk of Augschburg
Schreibe einen Kommentar

Darum sorgt das Projekt „Straßenbahnlinie 5″ in Augsburg für Ärger

Augsburg Straßenbahnlinie 5 Hauptbahnhof Zentralklinikum Linie 5

Es geht voran mit Augsburg: Der neue Königsplatz als Mobilitätsdrehscheibe wurde bereits im Dezember 2013 eröffnet, die Erneuerung der Annastraße wurde kürzlich fertiggestellt, der Umbau des Hauptbahnhofs ist in vollem Gange und die Fuggerstraße soll in den kommenden Jahren zum neuen Fugger Boulevard umgestaltet werden. „Augsburg hat das graue Kleid von Aschenputtel abgestreift“, so OB Dr. Kurt Gribl. Eigentlich also nichts faul im „Staate Augsburg“, gäbe es da nicht die Diskussionen um die Straßenbahnlinie 5.

Grund dafür ist die nun verabschiedete Trassenführung der Linie 5. Stadtauswärts soll die Straßenbahn vom Ausgang des künftigen Bahnhofstunnels am Sebastian-Buchegger-Platz über die Rosenau- und Pferseer Straße sowie über die Luitpoldbrücke in die Hessenbachstraße fahren. Von dort geht es dann weiter auf die Bgm.-Ackermann-Straße. Stadteinwärts führt der Weg der Trambahn über die Perzheim- und Hörbrotstraße zurück zum Hauptbahnhof. Die Tramlinie wird also geflügelt.

Projekt Straßenbahnlinie 5 – Nicht billig aber immerhin billiger

Nun wird mit Protesten und Klagen betroffener und unzufriedener Bürger gerechnet und mit einem Bürgerbegehren á la Schafitel auch. Bei der entscheidenden Stadtratssitzung am 18. Dezember 2014 verließen Stadtratsmitglieder aus Protest gar den Saal. Der ganz normale Augsburg-Wahnsinn also.

Warum aber nun überhaupt dieser Ärger über die neue Straßenbahnlinie? Bis zuletzt favorisierten Bürger nämlich die Trasse über die Holzbachstraße. Allerdings hätte diese Variante fünf Millionen Euro Mehrkosten verursacht. Die  Linienführung über die Hessenbachstraße, über die die Straßenbahn ab 2019 fährt, kostet „nur“ 62 Millionen Euro.

Stadtwerke-Chef Dr. Walter Casazza suchte die Lösung, bei der eine maximale Fahrgastzahl erreicht wird, die aber minimale Kosten verursacht. „Man kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen“, so der swa-Geschäftsführer. Und damit hat er auch sicher recht. Dass aber direkt betroffene Bürger anders reagieren, ist ebenfalls verständlich und legitim.

Mit der Linie 5  soll in Augsburg eine Ost-West Achse entstehen

Durch die Straßenbahnlinie 5 soll der Augsburger Westen mit der Innenstadt verbunden werden. Die Straßenbahn soll zwischen Hauptbahnhof und Zentralklinikum verkehren und dabei die Buslinie 32 ersetzen. Für die acht Haltestellen vom Bahnhof zum Klinikum soll die Straßenbahn rund 17 Minuten Fahrtzeit benötigen.

Laut Stadtwerke besteht der Einzugsbereich der Linie 5 bisher aus rund 20.000 Menschen. Durch die Gewerbe- und Wohngebietserweiterung Centerville und in Kriegshaber wird diese Zahl noch weiter ansteigen. Zudem soll die Straßenbahnlinie 5 in der neuen unterirdischen Haltestelle am Bahnhof auf die Linie 6 treffen, wodurch eine Ost-West Achse entsteht.

Wird die Bgm.-Ackermann-Straße zur zweiten Friedberger Straße?

Das Zünglein an der Waage in Sachen Ärger ist aber wohl die Bürgermeister-Ackermann-Straße. Rund 40.000 Fahrzeuge rollen täglich auf der Druchgangsstraße von Westen in Richtung Stadt und zurück. Augsburgs Baureferent Gerd Merkle verspricht, dass die Ackermann-Straße zweispurig bleiben soll.

Momentmal zweispurig? Das haben wir doch schon mal gehört. Versprach das nicht auch schon Oberbürgermeister Kurt Gribl beim Bau der Linie 6 auf der Friedberger Straße?

Zu gefühlten 90 Prozent entspricht das auch der Wahrheit. Dumm nur, dass Gribls „Experten“ ihm damals scheinbar etwas Entscheidendes verheimlicht hatten. Nämlich, dass genau die 10 Prozent Einspurigkeit dazu führen, dass die Autofahrer regelmäßig längere Zeit im Stau stehen.

Oder hat er es etwa doch gewusst? Auweia! In diesem Fall hätte sich damals scheinbar das typische Politikersyndrom breit gemacht. Die Bürger werden‘s schon nicht merken. Kann man ja mal machen, dachte sich Gribl vielleicht. Und wie sieht es nun mit der Ackermann-Straße aus?

Hoffen wir mal, dass die zwei Spuren nun wirklich zu 100 Prozent erhalten bleiben. Und zwar auf beiden Fahrstreifen. Das wäre dann auch ausnahmsweise mal die 100-prozentige Wahrheit, quasi frei vom sonderbaren Politikersyndrom.

Abstriche soll es aber dennoch geben: Die vier Fahrspuren sollen von den bisherigen 3,75 Meter auf 3,25 Meter verenget werden. Und auch das Tempo müssen Autofahrer künftig von 60 km/h auf 50 km/h drosseln.

Mein persönliches Fazit:

Aufgrund des Bevölkerungsanstiegs in den Wohngebieten Centerville, in Kriegshaber und im Bereich rund um das Reese-Areal macht die Straßenbahnlinie 5 in Augsburg durchaus Sinn.

Allerdings darf der Zustrom aus dem westlichen Landkreis durch eine Verengung oder eine gar teilweise einspurige Ackermann-Straße nicht negativ beeinträchtigt werden. Dies könnte und würde höchstwahrscheinlich zu einem Verkehrskollaps führen.

Oberbürgermeister Kurt Gribl und die Stadtwerke Augsburg nehmen ein weiteres Großprojekt in die Hand und treiben die Modernisierung der Stadt Augsburg weiter voran.

Den Autofahrern aus dem Westen muss man während der Bauzeit aber gute Nerven wünschen. Denn in diesem Zeitraum wird es, wie angekündigt, zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen.

Zusammenfassung und weitere Details zum Bau der Linie 5:

  • Die Trassenführung der Linie 5 wurde in der Stadtratssitzung vom 18.12.2014 verabschiedet.
  • Auf dem Weg dorthin gab es mehrere Bürgerworkshops („Go West“), in der Bewohner ihre Bedenken und Ideen einbringen konnten.
  • Die kommende Planungsphase dauert voraussichtlich 1,5 bis zwei Jahre.
  • Die Baukosten betragen ca. 62 Millionen Euro.
  • Baubeginn ist aller Voraussicht nach 2017/2018.
  • Die Strecke führt stadtauswärts über die Rosenau- und Pferseer Straße und
  • stadteinwärts über die Perzheim-/Hörbrotstraße.
  • Mit Stand heute wird die Linie 5 aus acht Haltestellen bestehen.
  • Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof zum Zentralklinikum beträgt ca. 17 Minuten.
  • Eröffnet wird die Linie 5 voraussichtlich 2019.
  • Fertigstellung des endgültigen Verlaufs über den Bahnhofstunnel ab 2022.
  • Die Fahrspuren auf der Ackermann-Straße werden von 3,75 auf 3,25 Meter verschmählert.
  • Das Tempolimit wird von 60 auf 50 km/h reduziert.
  • Die Ackermann-Straße wird künftig größtenteils mit einem computergesteuerten Ampelsystem ausgestattet werden.
  • Die Kreuzung an der B17 wird ausgebaut.

Für alle die es genauer wissen wollen – weitereführende Links:

Bürgerdialog zur Linie 5 „Go West“ – projekt-augsburg-city.de
Linie 5 – sw-augsburg.de
Wird die Ackermann-Straße zum Nadelöhr? – augsburger-allgemeine.de (30.12.2014)
Linie 5: Stadtrat macht Weg für die Tram frei – augsburger-allgemeine.de (18.12.2014)
Linie 5: Große Mehrheit für neue Streckenführung – augsburger-allgemeine.de (18.12.2014)
So soll die Tramlinie 5 künftig fahren – augsburger-allgemeine.de (13.12.2014)

Foto: Flickr, Stadtneurotiker, CC BY-NC-SA 2.0 DE

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>