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Augsburger Hilfsaktion: Übergepäck eines Flüchtlings

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„Stell dir vor, das Land in dem du lebst fängt an zu bluten und du musst fliehen um zu überleben.“ Diese Worte von Maria Marin Arslan sind für viele Menschen keine Vorstellung, keine bloße Fiktion mehr. Für viele Menschen ist die Vertreibung aus dem eigenen Zuhause, die Flucht aus dem eigenen Land traurige Realität geworden.

Alleine von Januar bis November haben laut dem Bericht November 2014 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge 33.144 Menschen aus Syrien einen Erstantrag auf Asyl in Deutschland gestellt. Ein Jahr davor waren es im gleichen Zeitraum noch 10.858 Menschen gewesen.

Unter den Flüchtlingen sind auch viele Kinder. Jungen und Mädchen die noch gar nicht verstehen, warum sie diese lange und strapaziöse Reise in ein fernes Land überhaupt antreten mussten. In ein Land, indem sie keiner versteht und das Krieg lediglich aus dem Fernsehen kennt.

Einige der Flüchtlinge aus Syrien, Libyen, Afrika und anderen Ländern sind auch in verschiedenen Unterkünften in Augsburg und Umgebung untergekommen. Wie in anderen Städten, stehen auch in der Fuggerstadt viele Bürger den Flüchtlingen eher skeptisch gegenüber. Zu groß sind die Sorgen, dass sich unter die Flüchtlinge auch Terroristen mischen könnten oder durch die neuen „Bewohner“ die Kriminalitätsrate im eigenen Wohnviertel steigen könnte.

Aber wie es in den Gedanken der Flüchtlinge aussieht, die aufgrund ihres bedrohten Lebens nach Deutschland und eben auch nach Augsburg gekommen sind, das will und kann man sich nicht so richtig vorstellen. Ein Stück weit ist dies auch völlig normal und verständlich. Und doch hat auch Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Weihnachtsansprache die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen eine höhere Priorität eingeräumt.

Und während sich unter vielen deutschen Weihnachtsbäumen die Geschenke stapeln und Kinder um die Wette strahlen, schauen die Mädchen und Jungen in den Flüchtlingsunterkünften in eine ungewisse Zukunft.

Wäre es da nicht schön, wenn man diesen Kindern eine kleine Freude bereiten könnte? Genau das dachte sich auch Maria Marin Arslan. Zusammen mit Freunden und Bekannten rief Arslan, die selbst eine Zeit lang in Syrien aufgewachsen ist, in Augsburg eine Hilfsaktion ins Leben. Der Name: Übergepäck eines Flüchtlings.

Es geht dabei um das „Übergepäck an Erlebtem und Gefühltem“, das die Flüchtlinge auf dem beschwerlichen Weg in ein fremdes Land durchleben mussten. „Mit dem Projekt habe ich einen Weg gefunden, meine Hilflosigkeit meiner eigenen Familie gegenüber umzulenken und den Menschen zu helfen, die es hierher geschafft haben.“ Denn auch Arslans eigene Familie ist von dem Krieg in Syrien betroffen. Sie kann sich daher gut in die Situation der Flüchtlinge reinversetzen.

Zusammen mit ihren Freunden und anderen Helfern sammelte die Tochter eines Aramäers und einer Araberin Sachspenden und verteilte sie im Dezember in sechs Flüchtlingsheimen in der Region Augsburg. Und die die Geschenke wurden von den Kindern mit Freude in Empfang genommen: „Sie nahmen die Sachen in die Hand und waren zum Teil sehr zögerlich, da sie nicht begriffen, dass es nun ihnen gehört. Umso schöner dann der Moment, als sie verstanden, dass sie nun mit den Sachen in den Händen in ihre Zimmer zum spielen durften.“

Maria Marin Arslan stellt in ihrem Youtube-Video auch die Frage, was man im Falle einer Flucht mitnehmen würde. Und während vor meinem geistigen Auge diverse Habseligkeiten an mir vorbeizogen, gaben verschiedene Personen im Video mit ihren hochgehaltenen Transparenten eine Ahnung davon, was die Flüchtlinge tatsächlich mitgebracht haben.

Dort sind Wörter wie Angst, Schmerz, Ratlosigkeit, Entmutigung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu lesen. Dinge, die sich in meinem Kopfkino wahrlich nicht als erstes abspielten.

Foto: Flickr, MaximilianV, CC BY 2.0

Hinweis: Die wörtlichen Zitate wurden dem Youtube-Video „Übergepäck eines Flüchtlings“ sowie dem Beitrag vom 16.12.2014 „Syrerin hilft Menschen auf der Flucht“, erschienen auf augsburger-allgemeine.de, entnommen.

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