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Lass den Klick in deinem Augsburg

Seit ein paar Wochen ist es wieder in aller Munde, oder war es gar nie wirklich weg? Wer weiß, jedenfalls sind sie wieder da, die orangefarbenen Aufkleber mit der markanten Aufschrift „Lass den Klick in deiner Stadt“. Zu Massen kleben sie an den Schaufensterscheiben und Eingangstüren der Geschäfte in Augsburg Stadt und Land. Die Marketingaktion des Radiosenders hitradio rt1 soll uns Stadtbewohner wieder ins Gedächtnis rufen, dass es fernab der Netzwelt auch noch Geschäfte gibt, die auf unseren Besuch warten. Und das ist wahrlich eine sehr gute Sache.

„Lass den Klick in deiner Stadt“ – U. a. mit diesen Aufklebern versucht hitradio rt1 die Kunden in Augsburg zum Nach- und Umdenken zu bewegen.

Denn um den lokalen Handel muss man sich vor allem in der Augsburger Innenstadt durchaus Sorgen machen. Wenn Galeria Kaufhof zum 30. Juni 2015 das ehemalige Zentral Kaufhaus in der Bgm.-Fischer-Straße räumt, wird es zappenduschter wie der Augschburger sagen ded. Nicht auszumalen was passiert, sollte auch noch Karstadt die Fuggerstadt verlassen. Was soll mit den riesigen Kauhäusern in Mitten Augsburgs passieren? Man darf gespannt sein, was sich Bürgermeisterin Eva Weber einfallen lässt, um die Innenstadt wieder aufzupolieren. Zugegebenermaßen keine leichte Angelegenheit. Verantwortlich für den Weggang von Galeria Kaufhof sei schließlich die fehlende wirtschaftliche Perspektive. Und wie soll sich diese bis nächstes Jahr in Augsburg verbessern? Aber durch eine verwahrloste Stadt mit leeren Geschäften möchte ebenfalls niemand laufen. Schmidberg, Augusta Arcaden oder Viktorapassage lassen grüßen.

„Lass den Klick in deiner Stadt“ ist eine clevere Idee, die ursprünglich aus Würzburg stammt. Zumindest das Grundkonzept. Clever aus dem Grund, da es hitradio rt1 mit dieser Maßnahme zweifelsfrei in die Köpfe der Augsbürger schafft. Und womöglich auch den ein oder anderen zum Umdenken. Das wiederum würde dem ein oder anderen lokalen Händler sicher wieder etwas mehr Kohle in die Kassen spülen. Und die können gegebenenfalls wieder in Radiowerbung investiert werden. Das freut den Händler, den Radiosender und vielleicht auch den Kunden. Eine typische Win-Win Situation, wie es im BWL’er Fachjargon heißen würde.

Aber mal ganz ehrlich, bringt die groß angelegte Kampagne von hitradio rt1 außer ein paar vollgeklebte Schaufenstern etwas? Vor allem in Sachen Nachhaltigkeit? Auf der einen Seite ist das nun die Aufgabe des lokalen Handels selbst, der sich etwas einfallen lassen muss, damit das Einkaufen in der City wieder lukrativ wird. Auf der anderen Seite ist das aber auch Aufgabe der Stadtbewohner. Ausreden wie „heute regnet es“ oder „in die Stadt komm ich die nächsten Tage einfach nicht“, darf es dann nicht mehr geben. Finger von der Maus und raus aus dem Haus muss dann schlicht und einfach die Devise heißen.

Und auch an den Bus- und Straßenbahnhaltestellen begegnet man die "Lass den Klick in deiner Stadt" Kampagne.

Und auch an den Bus- und Straßenbahnhaltestellen in Augsburg begegnet man der „Lass den Klick in deiner Stadt“ Kampagne.

Ich selber hab das übrigens auch schon getan. So kaufe ich meine Bücher wieder vermehrt bei meinem kleinen Buchhändler. „Ja, support your local dealer“ hat ein Freund damals gesagt. Und ich kann nur sagen…recht hat er. Aber man sollte auch ehrlich sein. Denn wer kauft schon beim „lokalen Händler Müller“, wenn dasselbe Teil im Internet mindestens 20 Euro billiger ist. So dicke hat man es auch nicht im Geldbeutel. Ein anderer Aspekt ist dann auch jener: Schlendernd durch den Stadtmarkt in Plastik eingepackte Gurken zu entdecken, die doch ein wenig teurer sind als im naheliegenden Supermarkt. Nö warum, dann kann ich die Gurke ja gleich bei L**l oder A**i kaufen. Kommt aber mein netter Landwirt am Freitag mit Traktor, Glocke und dem Ausruf „Kartoffeln und Gemüse“ um die Ecke, Gurkenkrümmung hin oder her, dann vergess ich die vorher genannten Supermärkte ganz schnell. Gut zugegeben, beim Gurkenbeispiel bleibt die Steuer sowieso in der Stadt.

Grundsätzlich sollte man beim nächsten geplanten Einkauf dennoch überlegen, ob sich das ganze vom Sofa auch nach draußen in unsere schöne Stadt verlagern lässt. Nu denn, wir geloben Besserung, versprochen. Oder haben wir es nach der Werbeaktion von rt1 doch wieder schnell vergessen?

3 Kommentare

  1. Sting sagt

    Lass den klick in Deiner Stadt? Ja wie denn???

    Der Name der Aktion ist daneben. Die Läden sind im Internet gar nicht präsent. Also ist nichts mit „Klick“. Zu welchen Uhrzeiten haben die Läden, mit dem orangenen Aufkleber geöffnet? Garantiert nicht einheitlich. Die Aktion müsste heißen: „Auf zum Retro-Shopping, mit ungelernten – miess gelaunten Verkäuferinnen.“

    Das Freizeit und Einkaufsverhalten hat sich nunmal geändert. Ich hör Spotify und nicht RT1 – Ich sehe on Demand und nicht dann wenn mir der TV-Sender das vorschreiben will. Wetten Dass..? – Geschichte.

    Wer sich gegen das Leben stellen will – viel Erfolg. Da nützt auch die rührige (vollkommen uneigennützige – sind doch die Geschäfte die Kunden des Senders) Aktion des Lokalsenders nichts.
    Leben ist konstanter Wandel und Anpassung. Geschäfte, Branchen, Gäste, Konsumenten und Kunden unterliegen Lebenszyklen. Sie werden geboren, wachsen auf, werden erwachsen, werden alt und sterben.

    Geschäfte und Branchen haben das Glück sich immer wieder „verjüngen“ zu können. Durch Innovation und Marketing. Das ist nichts anderes als herauszufinden was die Kunden wollen, das was die Kunden wollen zu besorgen – und es dem Kunden dann auch zu geben.

    Es wäre schön wenn die Läden die Möglichkeit schaffen würden den „Klick“ in der Stadt zu lassen.

    Erfolgsbeispiele gibt es genug:
    http://www.ecckoeln.de/News/MyTheresa%3A-Mit-Luxusmode-erfolgreich-im-E-Commerce
    http://www.zeit.de/2011/49/Portraet-Thomann

    Und wer es nicht schafft Klicks zu generieren, der muss für ein Freizeiterlebnis sorgen. (Die WM sehe ich live, mit Freunden und Fremden im Public Viewing und nicht on Demand.) Da muss der Handel zukunftsorientiert auf die Stadt einwirken und nicht der kleinkarierte Reichsbedenkenträger sein. (Wer erinnert sich noch an die Proteste des Einzelhandels als die City-Galerie genehmigt werden sollte. Das Ergebnis ein fauler Kompromiss. Kleineres Einkaufszentrum und die die am lautesten geschrien haben sind jetzt selbst dort Mieter.)

    Die Innenstadt muss mit der City Galerie konkurrieren. Parkmöglichkeiten für alle aus dem Umland, die können halt nur mit Auto kommen. Mehr Fußgängerpassagen; mehr Grün; mehr Straßencaffees; mehr Sitzmöglichkeiten; weniger Bettler – mehr Straßenkunst; Möglichkeiten Einkäufe „zwischenzubunkern“ oder einen kostenlosen Shop to Home Lieferservice, überdachte Wege statt ständig bimmelnder Straßenbahnen – die haben in Fußgängerzonen nichts verloren. In der Citygalerie gibt es ja schließlich auch keine Straßenbahn die mich von der Apotheke zum Nordseeimbiss fährt.

    Warum soll aus der Augsburger Innenstadt nicht das größte Freilufteinkaufszentrum Deutschlands werden? Entweder man wächst oder man stirbt. Dazwischen gibt es nichts.

    Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

    • Michael sagt

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und entschuldige die späte Antwort. Leider spielt manchmal die Zeit nicht so mit, wie ich mir das gerne wünschen würde.

      Ich gebe dir absolut Recht. Die Öffnungszeiten der Augsburger Geschäfte sind teilweise ungünstig. Arbeitstechnisch schaffe ich es oftmals auch nicht, vor halb sieben in der Stadt zu sein. Wenn man dann bedenkt, dass die meisten Läden bereits um sieben Uhr schließen, dann bleibt einem nicht gerade viel Zeit für einen gemütlichen Einkaufsbummel. Fehlende Parkmöglichkeiten und hohe Parkgebühren tun ihr übriges.

      Durch Smartphone und Tablet hat sich auch das Konsumentenverhalten stark verändert. Jeder kann nahezu von jedem Ort und zu jeder Uhrzeit auf das Internet zugreifen. Und natürlich gibt es auch Geschäftszweige, bei denen der stationäre Handel heute einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

      Musik wird heute z. B. über iTunes oder per MP3-Download bei Amazon auf die Geräte gezogen. Das ist bequemer und auch effizienter, da ich mir die Lieder kaufen kann, die ich auch tatsächlich haben möchte. Die großen CD-Abteilungen oder gar die eigenen Musikstores wie Durner sind schon längst verschwunden. So wie es der Musikbranche bereits erging, so wird es auch bald den Reisebüros ergehen. Immer mehr von ihnen schließen ihre Türen. Das letzte mir bekannte war das von Kolping in der Frauentorstraße. Die Verbraucher möchten mehr Bilder von den Reiseorten sehen und Meinungen anderer Reisender lesen. Das ist authentischer wie jeder Reisekatalog. In diesen Bereichen wird sich das Internet zweifelsohne und auch aus guten Gründen durchsetzen.

      Ich bin aber auch der Meinung, dass viele Einkäufe im Internet in den letzten Jahren aus reiner Gewohnheit erfolgten. Man hat sich schlicht und einfach keine Gedanken über mögliche Auswirkungen gemacht. Das ist auch völlig normal, für so manches lokales Geschäft wurde dieses Verhalten allerdings zum Verhängnis. Und ein Online-Shop lässt mal nicht einfach nebenbei und zusätzlich zum Ladengeschäft betreiben. Artikel müssen verpackt und versendet werden, mögliche Anfragen per Telefon oder Email beantwortet werden. Und wenn der Shop bei der Google-Suche nicht unter den ersten Treffern ist, wird’s allemal schwierig.

      Die Aktion von hitradio rt1 führt zumindest dazu, mal wieder über das eigene Einkaufsverhalten nachzudenken und den einen oder anderen Artikel doch lieber in der eigenen Stadt zu kaufen. Und dass die Kampagne nicht ohne Hintergedanken ist, erklärt sich von selbst und ist auch legitim und verständlich.

      Bei mir persönlich hat es jedenfalls funktioniert: Statt meine Bücher bei Amazon in den Warenkorb zu legen, kaufe ich sie lieber wieder bei meinem Buchhändler nebenan. Und der hat sogar einen Onlineshop. Doch jeder ist anders in seinem Verhalten. Manche bewegen sich täglich durch das Internet, die anderen wiederum nur gelegentlich.

      Doch eines ist klar und da gebe ich dir nochmals Recht: Die lokalen Händler und die Stadt müssen sich definitiv etwas einfallen lassen, damit der lokale Einkauf wieder lukrativer wird. Einen entscheidenden Vorteil hat der Einkaufsbummel in der Stadt aber, den das Internet nie bieten wird:

      Die soziale Beziehung rückt wieder in den Vordergrund. Einfach mal nach der Shopping-Tour mit dem Freund oder der Freundin zum Kaffeetrinken gehen 😉

  2. Um mal beim Buchhandel zu bleiben: Bei Ketten wie Thalia, Weltbild und Hugendubel ist der Slogan vom Klick in der eigenen Stadt eh unsinnig, da ihre Internetseiten und der Versand bundesweit zentral aus irgendeinem Industriegebiet heraus betrieben werden. Thalia bewirbt im Ladengeschäft massiv den eigenen E-Book-Reader. Hat man den erst einmal gekauft, holt man sich den Content sicherlich nicht in Augsburg.
    Zu den Öffnungszeiten: Augsburg kann sich rühmen eine Stadt mit einem echten Comicbuchladen zu sein. Nur einkaufen kann ich als Berufstätiger da nicht, das lassen die Öffnungszeiten (und in diesem Fall auch die Parkgebühren) nicht zu.
    Es gibt natürlich auch positive Beispiele, wo man sehen kann, wie Läden ihr eigenes Publikum finden und bedienen, zum Beispiel: http://www.buchhandlung-am-obstmarkt.de/ oder dieser schöne freakige Spieleladen neben dem Thing. In diesem Laden werden nicht nur Spiele und Zubehör verkauft, sondern auch den ganzen Tag gezockt. Diese beiden Beispiele bedienen sicherlich nur eine Nische, aber wenn sie das gut und konsequent machen, kann sich das lohnen.
    Diese Beispiele bringen mich auch dazu auf einen Punkt hinzuweisen, der mich stört: Wir sehen den innerstädtischen Bereich zu sehr als Ort des Konsums. Eigentlich ist es aber ein Ort der Begegnung. Beispiel: In den Arcaden hält sich Tapfer das Planetarium (und Naturkundemuseum). Wegen dem Planetarium kommen Leute tatsächlich noch in die Arcaden, die Leute wollen das Angebot nutzen. Warum aber ist das Planetarium in so einer dunklen, schmuddeligen Ecke untergebracht und bietet kaum zusätzlichen Nutzen (Cafe, Vorträge, Shop, etc.)? Das Planetarium ist ein gutes Beispiel, wie Konsum, Bildung, Begegnung und Event zusammenspielen könnte, wenn man nicht so tröge im Geiste wäre. Die Augsburger sollten nicht den leeren Läden nachweinen, sondern die sich ergebenden Räume für solche Dinge nutzbar machen.
    Einfach nur einen Laden zu haben oder das x-te Cafe aufzumachen, ohne sich zu fragen, wie man für Begegnung und Erlebnis sorgen kann, hat keine Zukunft mehr und wird auch der Bedeutung einer Innenstadt nicht gerecht.

    @STING: Woher kommt Deine Wut auf Straßenbahnen? Ich finde sie praktisch, hübsch anzusehen und ohne ÖPNV, der die Leute möglichst tief in die Stadt bringt, geht gar nichts.

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